FlyBy Air Service

Luftfracht-Firma plant schnellen Aufstieg     

Lars Kietz hebt regelmäßig ab - früher nur privat, heute auch geschäftlich. Der begeisterte Pilot von Kleinflugzeugen hat mit der Unterstützung der Bürgschaftsbank Hessen sein Hobby zum Beruf gemacht und gründete die Firma FlyBy Air Service. Mit seinem Ultraleichtflugzeug „Kappa 77“ will der 36-Jährige eilige Transportgüter quer durch Deutschland und einige Nachbarländer fliegen.

Durchgestartet ist FlyBy Air Service zunächst mit einer ganz bodenständigen Marktanalyse. Das war Anfang 2005. „Ich habe bei verschiedenen Cargo-Unternehmen angefragt, ob mein Service in deren Portfolio passt“, so Kietz. Dienstleister wie OBC Service GmbH, Excel, FedEx oder die Lufthansa Cargo-Tochter Time-Matters signalisierten sofort Interesse. „Auch bei potenziellen Endkunden habe ich mich vorgestellt.“ Dazu zählten beispielsweise Unternehmen aus dem Bereich Sonder-maschinenbau. „Deren Produkte, etwa Spezialwerkzeuge, müssen schnell bei den Abnehmern sein. Sonst drohen Produktionsausfälle.“ Gelagert würden die Ersatzteile kaum noch. Zu hoch seien die Kosten. „Interessant sind unsere Dienstleistungen
außerdem für Unternehmen, die eilige Dokumente, Pharmazie-Erzeugnisse oder medizintechnische Geräte versenden wollen.“ Mit den bisherigen Ergebnissen seiner Marktstudie ist Kietz sehr zufrieden: „Von rund 35 Kontakten wollten 30 nähere Angaben zu meinem Leistungsspektrum. Vor allem der Zeitfaktor stieß auf großes Interesse.“ Tatsächlich braucht Kietz einen Geschwindigkeitsvergleich mit der rollenden Konkurrenz nicht zu scheuen. Sein Tiefdecker schafft mit 80 PS stolze 220 km/h. Und Staus sind ihm fremd.

Der Zweisitzer hat obendrein eine Reichweite von bis zu 850 Kilometern. Für Laien wirkt er wie eine kleine Cessna. „Die Zeiten, in denen Kleinflugzeuge immer aus einem Draht-verschlag mit Motor und zwei Kanistern bestanden, sind vorbei.“ Starten und landen kann die knapp 10 Meter breite Ein-Propeller-Maschine auf allen Flugplätzen, die eine Berechtigung für Kleinflugzeuge haben.

Das Zuladegewicht der Maschine beschränkt sich auf bis zu 65 kg. Sperrige Güter stellen kein Problem dar. Gefahrgut darf nicht transportiert werden! „Es können sogar zwei große Reisekoffer transportiert werden. Dazu muss lediglich der zweite Sitz ausgebaut werden. Das verlangt nur wenige Handgriffe.“

Abgerechnet wird entweder pro Flugstunde oder pro Flugkilometer. Enthalten sind Landegebühren, Kosten für Flugbenzin, Flugplanung und Frachtversicherung. „Damit bin ich nicht wesentlich teurer als klassische Express-Versender.“ Noch ist Kietz nicht ausgelastet. „Bisher passiert viel auf Zuruf.“

Durch Kooperationen mit großen Cargo-Unternehmen soll sich das aber schon bald ändern. Mit ihnen will er sich Strecken teilen. „Sie könnten den Transport vom Absender zum Flughafen bzw. vom Flughafen zum Empfänger übernehmen. Den Rest erledige ich. Ich kalkuliere mit etwa 12 Flugstunden pro Woche. Das entspricht etwa 3 bis 4 Aufträgen. Dann arbeite ich profitabel.“

Seine Existenzgründung wurde insbesondere durch die Bürgschaftsbank Hessen im Rahmen des neuen Programms "Bürgschaft ohne Bank (BoB)" begleitet. Bereits vier Wochen nach der schriftlichen, grundsätzlichen Bürgschaftszusage der Bürgschaftsbank hatte Lars Kietz die endgültige Finanzierungszusage seiner neuen Hausbank in Händen.